Wie es mit Fido anfing


Fidonet History and Operation

[Original von Tom Jennings, 8.Februar 1985; auszugsweise und frei uebersetzt von andy kreuzer]

Als FidoNet das erste Mal getestet wurde, gab es zwei Nodes: Mich selbst, hier auf Fido #1 in San Francisco, und John Madill auf Fido #2 in Baltimore. John und ich entwickelten und testeten es. Der Zweck: zu sehen, ob sowas moeglich ist, hauptsaechlich aus Spass an der Freude, etwa wie Amateurfunk. Es wurde schnell nuetzlich; anstatt staendig zu versuchen, die Box des Anderen anzurufen und Nachrichten zu hinterlassen, oder teuere Voice-Telefonate zu fuehren, wurden Fido-Msgs mehr oder weniger zur Regel.

Das war Fido Version 7, irgendwann, etwa Juni 84 oder so; es hatte weder Routing, File-Attach, Retry Control, Error Handling, Kostenberechnung, Logfiles, noch irgendwelche der anderen huebschen Features, die seitdem hinzu kamen. Ein Paket wurde erstellt, ein Anruf wurde gemacht, das Paket uebertragen, das war's. Das war auch ausreichend fuer einen Monat oder zwei, solange es weniger als 20 Nodes gab.

Im August 84 wurden es bereits 30 Nodes; das Netz verstopfte, ob Du's glaubst oder nicht. Fidonet war nicht gerade intelligent, was die ausgehenden Anrufe betraf. Mit 30 Systemen wurde die Koordination schwierig; anstatt eines einfachen Anrufs bei den Sysops, der frueher genuegte, um Probleme wie falsche Telefonnummern, Hardwareschwierigkeiten, usw. zu loesen, dauerte es mittlerweile Tage, bis das kleinste Problemchen geloest war. Mittlerweile waren es 6 Nodes in New Orleans, und Fido #1 machte je einen Anruf bei jedem dieser Nodes, wo doch offensichtlich einer ausgereicht haette. Damit begann das Zeitalter des Routings.

Das 'Original' FidoNet war sehr einfach und freundlich; Du erzaehltest mir auf Fido #1 dass Du einen Fidonode fertig hattest, ich setzte Dich mit Deiner Telefonnummer in die Liste, die Leute riefen an und holten die Liste. Fertig!

Nun ... anfangs kannte jeder jeden, wir waren mehr oder weniger staendig in Kontakt zueinander. Obwohl, als die Nodenummern in die Zwanziger gingen, kamen auf einmal Leute mit nem Fidonode daher, die keiner von uns kannte. Das war gut so, bedeutete aber andererseits auch, dass der Kontakt zueinander nicht mehr so eng sein konnte wie frueher.

Das Netz fing an, schlechter zu funktionieren; jede Woche gab's mindestens eine falsche Nummer, meist waren's zwei. Um die Bedeutung einer falschen Nummer in der Nodeliste zu verdeutlichen: stell Dir vor, Du bist eine alte Dame, die jede Nacht alle 2 Minuten ab 4 Uhr morgens Anrufe bekommt. Es meldet sich niemand und dann wird aufgelegt. Das passierte tatsaechlich; wenn Mail eine oder zwei Wochen lang nicht rausging, nahm ich nach dem Waehlen den Hoerer ab und war in der peinlichen Lage, einer extrem mueden und extrem veraergerten Person erklaeren zu muessen, was eine Mailbox ist.

Es gab auch Faelle, in denen ein neuer Node noch nicht wirklich betriebsbereit war, und die angegebene Telefonnummer war die normale Nummer, die nur zeitweise fuer Fido genutzt wurde. Aber ich vergass das und nahm sie trotzdem in die Liste auf. Oder der neue Node war wirklich noch nicht installiert und wir riefen ihn an und er antwortete nicht. Oder, noch schlimmer, das Modem antwortete, aber die Software lief nicht und wir mussten die Anrufe natuerlich bezahlen.

So konnte es also nicht weitergehen. Wir mussten irgendwie sicherstellen, dass zumindest die Telefonnummer stimmte. Ich begann eine neue Politik: Bevor eine neue Nodenummer vergeben und in die Liste aufgenommen wurde, musste ich eine FidoNet Message direkt von dem neuen Node erhalten haben. Das stellte sicher, dass der neue Node zumindest halbwegs lief. Damals hatte Fido eine Funktion womit die Nodenummer remote von Fido #1 aus eingestellt werden konnte. Ich sandte eine Nachricht zurueck und schwupp! ein neuer Node war da.

Nun, auch das funktionierte nicht richtig. Zur selben Zeit aenderte sich die Fido-Software so schnell, das ich durch die vorzunehmenden Anpassungen neue Nodeantraege verlor, durch unleserliche Handschrift falsche Nodenummern vergab, ... einfach alle moeglichen Probleme tauchten auf. Aus Faulheit vergab ich wieder Nodenummern auf muendliche Anforderung hin und geriet in den selben Schlamassel wie vorher.

Die Leute in St. Louis (Tony Clark, Ben Baker, Ken Kaplan, John Wichman, Mike Mellinger) boten sich an, die Verwaltung der Nodeliste zu uebernehmen und neue Nodeantraege zu bearbeiten, damit ich mich der Software widmen konnte. Sie fuehrten die Notwendigkeit einer direkten Message wieder ein und zogen es konsequent durch. Innerhalb einiger Monate hatten sie die Fehlerrate (falsche Nummern etc.) praktisch auf Null, wo sie auch heute noch ist.

Obwohl ich das programmieren erledigte, kuemmerten sich Ken Kaplan, Ben Baker und die Jungs in St. Louis auch um das Design und testeten routen, weiterleiten und lokale Netze. Sie sind immer noch die Experten fuer's Routing und helfen Sysops, lokale Netze einzurichten.

Vergiss bitte nicht, es dauerte nur 3 Monate, bis die Anzahl der Nodes von 2 auf ueber 50 gestiegen war! 50 Nodes ist mehr als es sich anhoert. FidoNet wuchs weiter von 50 Nodes ungefaehr im September 84 auf ueber 160 Nodes im Januar/Februar 85.

Heute ist FidoNet ein Netz, das sich sehr schnell der Komplexitaet von kommerziellen Netzen naehert und hat mehr Moeglichkeiten als manches 'Mininetz', wie etwa USENET, das weder Routing noch Hosts kennt. Lediglich ARPAnet hat einige der Features die Fido hat. Das Southern California Network ist 3 Ebenen tief, mit Hosts in Orange, LA, Ventura, San Berdino und San Diego.

FidoNet ist heute schon zu gross, um es als informellen Club laufen zu lassen. Die Fehlermoeglichkeiten sind zu gross um Nummern wahllos in die Nodelist aufnehmen zu koennen. Ich denke, wir sind heute in der Lage, in der die Amateurfunker vor ein paar Jahren waren.

Die Anforderungen fuer neue Nodes sind recht gering, und sie erscheinen manchem, der nicht weiss, was ablaeuft, als willkuerlich und streng. Im folgenden deshalb eine Erklaerung, damit es jeder verstehen kann.


FidoNet's Zweck:

Sehr einfach; es ist ein Hobby, ein nicht-kommerzielles Netz von Computerbegeisterten ('Hacker' im urspruenglichen Sinn), die spielen und den Nutzen von Netzwerken herausfinden wollen. Es ist keinesfalls eine kommerzielle Unternehmung. FidoNet wird ausschliesslich von den Usern und den Sysops getragen und ist in mancher Hinsicht verwandt zum Amateurfunk. Bis auf wenige 'starre' Regeln betreibt jeder Sysop sein System so, wie es ihm gefaellt und aus Gruenden, die niemanden sonst etwas angehen.


Willst Du mehr über FIDO wissen, dann guck mal bei  FIDONet vorbei oder schreibe mir eine Mail.


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